Vor 200 Jahren: Vulkanausbruch in Indonesien brachte auch für die Himmelkroner eine große Hungersnot in den folgenden Jahren

„Hungerkästchen“ des damaligen Gastwirts Müller in der Stiftskirche erinnert an Notzeiten

Aufgrund eines gewaltigen Vulkanausbruchs im April 1815 in Indonesien, bei dem Schutt- und Aschemassen 20 km und mehr emporgeschleudert wurden, kam es zu einer Katastrophe, unter der auch die Himmelkroner zu leiden hatten. Durch die winzigen Partikel in großen Höhen verminderte sich die Sonneneinstrahlung und es folgten kühle, nasse Sommer und sehr kalte Winter. 1816 sprach man auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel von einem Jahr ohne Sommer. Zur Jahresmitte notierte Goethe in Weimar: „Erster schöner Tag“ – es war der 28. Juni 1816. Aufgrund der sehr schlechten Ernten explodierte der Brotpreis. In Lindau am Bodensee kam die Obstblüte erst im August. In Württemberg fiel die Weinernte miserabel aus. In der Schweiz verhungerten zahlreiche Menschen. Die Arbeitslosigkeit nahm stark zu. Es ergingen Aufforderungen Spatzen zu töten, damit mehr Getreidekörner für Menschen übrigbleiben. In abgelegenen Bergdörfern der Mittelgebirge aßen die Menschen verzweifelt Heu und Stroh.

In der Stiftskirche Himmelkron befindet sich ein sogenanntes „Hungerkästchen“, welches an die schreckliche Zeit vor 200 Jahren erinnert. Darin sind einige Getreideähren ausgestellt, und die extrem hohen Preise für Brot, Kartoffeln usw. werden aufgezählt.

Darunter ist geschrieben:

„Denk- und Dankmahl göttlicher Hülfe aus der schröklichen Hungersnoth und Brodtheuerung von der Mißerndte 1816 bis zur Segens-Erndte 1818. Gestiftet am frohen Erndte-Feste 1818 den 4. Oktober, Johann Friedrich Müller, Gaststätte zu Himmelcron“.

Text/Foto: Reinhard Stelzer, Stiftskirchenmuseum Himmelkron