Frühe Industrie in Himmelkron - Die Ziegelhütte

Darstellung aus dem Jahre 1913

14 Ortsbezeichnungen in Oberfranken zeugen noch von einem Industriezweig, welcher zwischenzeitlich in unserer Region fast gänzlich verschwunden ist: Die Ziegelei.

Der Himmelkroner Ortsteil „Ziegelhütte“, heute ein modernes Wohnbaugebiet mit rund 300 Einwohnern, hat eine reiche Vergangenheit, welche bis in die Klosterzeit zurückreicht.

In einem „Contract“ zwischen dem  markgräflichen Kastenamt von Himmelkron und dem Ziegler Friedrich Nützel von Fölschnitz vom 16. September 1661 entnehmen wir: „Das Amt Himmelkron gestattet Friedrich Nützel, in der Nähe des Ölfeldes eine Ziegel- und Kalkbrennerei nach seinem Gefallen und bestem Nutzen aufzurichten“. Bereits 1736 wurde dieses Gebäude jedoch wieder abgerissen und darauf ein viel größeres Anwesen errichtet.

Dieses Ziegelerhaus von 1736 steht übrigens heute noch und ist  nach einer gründlichen und sehr aufwändigen Renovierung durch die Himmelkroner Pfarrfamilie Welz ein beeindruckendes Zeugnis der geschichtsträchtigen Vergangenheit des Klosterdorfes am Weißen Main.  

Die Belegschaft im Jahre 1907

Nachdem die Besitzerfamilie von Nützel auf die auch heute noch in Himmelkron sesshafte Familie Engelhardt übergegangen  ist - und später dann auf Leonhard Beck (Ziegeleibesitzer seit 1848), kam es schließlich im Jahre 1896 zu einer Versteigerung der Gebäude. Die neuen Besitzer errichteten in den folgenden Jahren ein modernes Ziegelwerk mit Dampfmaschinen, Pressen und einem Hoffmannschen Ringofen.  Bereits 1907 produzierte das „Dampfziegelwerk Himmelkron – Weih, Schill & Co. GmbH“, wie es von nun an hieß, neben den bereits bekannten Backsteinen und Dachziegeln jetzt auch Drainagerohre und als neues Patent maschinell hergestellte Falzziegel. Der Anschluss von Himmelkron im Jahre 1896 an das Eisenbahnnetz und der erste Stromanschluss im Jahre 1911 waren weitere Entwicklungen, von denen die frühe Industrie in Himmelkron profitierte. Auch während des 1. Weltkrieges und der Notjahre danach kam die Produktion nicht zum Stillstand. 1924 wurde der erste Bagger angeschafft, welcher den Ton, der im Tagebau abgebaut wurde, noch schneller fördern konnte.

Eine Zäsur brachte dann jedoch der 2. Weltkrieg. Bereits 1940 musste die Produktion eingestellt werden – Arbeiter und Maschinen wurden für den Kriegseinsatz benötigt. Erst 1947 konnte die Ziegelfabrikation wieder aufgenommen werden. Und auch zu dieser Zeit waren, wie schon viele Jahre zuvor, 60 bis 80 Männer und Frauen in diesem Ziegelwerk beschäftigt.  Anfang 1957 kamen übrigens die ersten Gastarbeiter nach Himmelkron: eine italienische Famile aus den Abruzzen. 

Das Betriebsgebäude von der Rückseite im Jahre 1907

1958/59 wurde nochmals investiert. Eine moderne Kammertrocknerei für eine ¾ Million Mark ersetzte die alte Großraumtrocknerei. Diese Investition brachte jedoch nicht den erwünschten Erfolg. Der Konkurrenzdruck durch die billigeren Betonziegel,  die Verwendung von Kunststoffrohren bei der Drainage und manches andere brachten schließlich das Ende. Der letztige Alleinbesitzer Fritz Ramme meldete 1965 Konkurs an. Wenige Jahre zuvor, 1959, war der letzte langjährige Betriebsleiter und Miteigentürmer Gottlieb Schill, nach ihm ist eine Straße im Ortsteil Ziegelhütte benannt, nach 60jähriger Tätigkeit verstorben. Zu seiner Zeit produzierte das Ziegelwerk täglich bis zu 6000 Ziegelsteine, welche in ganz Oberfranken und ins Vogltland verkauft wurden. Aufträge aus den großen Städten, wie Nürnberg, Müchnen und Hamburg ließen die Ziegelhütte von Himmelkron zeitweise zur größten Ziegelfabrik in Oberfranken heranwachsen. Heute gibt es übrigens nur noch ein Ziegelwerk in Oberfranken – die Firma Hart bei Schirnding.

Am 02.11.1985 wurde durch das THW Kulmbach im Rahmen einer Auftragssprengung durch die Firma Zapf, Bayreuth, die beiden 37 und 55 Meter hohen Kamine gesprengt. Nach dem Abriss der weiteren Gebäude und Einplanierung des Geländes entstand in den folgenden Jahren der neue Ortsteil Ziegelhütte.

Als Zeugen der damaligen Ziegelproduktion in Himmelkron steht nur noch das bereits erwähnte Ziegelerhaus von 1736, ein Bürogebäude von 1907 (mit Anbau von 1955) und die Villa des Fabrikanten Gottlieb Schill aus dem Jahre 1921/22.

Ein kürzlich aufgefundener Dachziegel mit der Jahreszahl 1597 und den Initialien „HH“ lässt gelegentlich die Geschichte der Himmelkroner Ziegelhütte wieder lebendig werden, welche von der Klosterzeit bis in die jüngere Vergangenheit reichte.

Reinhard Stelzer