Das Kloster Himmelkron und der Adel

Wappen der Gemeinde Himmelkron

Was haben Klöster mit dem Adel zu tun? Dies ist eine Frage, die für viele Zeitgenossen unserer säkularen Welt nicht einfach zu beantworten ist. In der Tat sind die Beziehungen zwischen dem Adel vergangener Jahrhunderte - in Deutschland wurden die Vorrechte des Adels ja durch die Weimarer Verfassung des Jahres 1919 abgeschafft - und den geistlichen Stiften und Klöstern vielschichtig.

Zunächst gilt, dass die Klöster in der Regel durch hochadelige Personen oder Personengruppen gestiftet wurden. Im Fall von Himmelkron war es Graf Otto III. von Orlamünde gewesen, der das Kloster 1279 gemeinsam mit seiner Gemahlin Agnes von Truhendingen und seinen Kindern Otto V., Hermann V. und Otto VI. gegründet hat. Die in der Donationsurkunde vom 28. Dezember dieses Jahres genannte Gründungsausstattung für den Zisterzienserinnenkonvent CORONA COELI war allerdings nicht üppig. Neben der Burg Pretzendorf - sie wurde in das Kloster verwandelt - gehörten dazu nur die heutzutage alle wüst gelegenen Dörfer Hardt, Nemhards und Boschendorf.

Die Grafen von Orlamünde

Graf Otto VII. von Orlamünde (Foto: R. Seiler)

Durch die Ehe des Grafen Hermann II. von Orlamünde mit Beatrix von Andechs-Meranien gelangte mit dem Tod des letzten Meranier-Herzogs Otto VIII. im Jahr 1248 die Kulmbacher Plassenburg mit dem von ihr aus beherrschten Gebiet in die Hände dieser Thüringischen Familie. Bis 1278 regierten Hermanns II. Söhne, Hermann III. und Otto III., die Familienbesitztümer gemeinsam. Durch die dann vollzogene Erbteilung entstanden die sogenannte orlamündische oder osterländische Linie der Familie, unter Graf Hermann III. und dessen Nachkommen, die ihren Sitz in Orlamünde hatte, sowie die von Graf Otto III. begründete thüringische Linie, die ihren Besitzschwerpunkt in der Gegend von Weimar hatte, zu der anfangs aber auch die fränkischen Besitzungen gehörten. Trotz seines Kernlandes in Thüringen scheint sich Otto III. gerne in der Plassenburg aufgehalten zu haben. Jedenfalls war es ihm ein Bedürfnis, seiner Familie neben dem Kloster Oberweimar ein fränkisches Hauskloster, eben das Kloster Himmelkron, zu gründen. Hier wurde er 1285 auch beigesetzt.

Die Plassenburger Linie der Grafen von Orlamünde wurde durch seinen Sohn Otto VI. (+ 1318), und Enkel Otto VII. fortgesetzt. Letzterer starb 1340, wurde als letzter Orlamünder in Himmelkron bestattet und vermachte die Herrschaft Plassenburg testamentarisch den Burggrafen von Nürnberg.

Was ist ein Hauskloster?

Das oft kurze Leben der Menschen im Mittelalter war von mannigfachen Existenznöten bedroht. Hungersnöte, Seuchen, Fehden, Kriege und Wegelagerei begleiteten unsere von schwerer körperlicher Arbeit gebeugten Vorfahren allenthalben. Das Streben vieler Menschen war auf das Jenseits ausgerichtet, verhieß doch das Christentum den Gläubigen ein Weiterleben nach dem Tode im Paradies. Doch auch vor dem Himmelstor lauerten allerlei Fallstricke, denn auf die sündigen Menschen wartete das Fegefeuer oder gar die ewige Verdammnis in die Hölle. Die Kirche bot jedoch allerlei Möglichkeiten, diese Untiefen zu umfahren oder sie zumindest schneller zu durchqueren. Gebete waren es, welche die armen Seelenaus dem Fegefeuer befreien konnten, die späteren Ablasskrämer versprachen sogar: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt!“

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass besonders reiche Familien Klöster stifteten und dort an besonders bevorzugten Stellen, wie etwa im Chorraum beim Hochaltar, ihr Erbbegräbnis einrichteten. Zu den vornehmsten Pflichten der Konventualen gehörte es dann, die Klosterstifter und ihre Familie in die täglichen Gebete einzuschließen.

Das Stiftergrab in Himmelkron, in dem 1285 Graf Otto III. von Orlamünde gemeinsam mit einem seiner gleichnamigen Söhne bestattet wurde, befindet sich bis heute in unmittelbarer Nähe zum Kanzelaltar in der Stiftskirche. Andere wohlhabende Familien erwarben sich - meist durch Schenkung von Gütern oder immerwährende Zehntleistungen an das Kloster - ebenfalls das Recht, im Kloster begraben zu werden. Ihnen diente - besonders bei den Nonnenklöstern - der Raum unter dem Nonnenchor, in dem sich die Konventualinnen zu ihren Stundengebeten zu versammeln pflegten, als Begräbnisort. Deshalb wird dieser Raum auch oft als Gruft oder Paradies bezeichnet. Im Fall von Himmelkron ist dies die Ritterkapelle, deren wappengeschmückte Gewölbeschlusssteine bis heute an die adeligen Familien erinnern, die hier ihr Erbbegräbnis hatten oder zumindest deren Memoria hier besonders gepflegt wurde.

Es finden sich hier die Wappen der Familien von Blassenberg, von Hirschberg, von Orlamünde, von Seckendorff, von Waldenfels, von Wallenrode, von Wirsberg und der Burggrafen von Nürnberg, die den Grafen von Orlamünde in der Regierung des Landes gefolgt waren.

 

Nonnen und Äbtissinnen

Jedoch waren die Klöster für den Adel nicht nur Orte des Totengedenkens. Sie dienten auch als standesgemäße Versorgungseinrichtungen für dessen zahlreiche Söhne und Töchter. Nicht jeder junge Adelige taugte für den Kriegsdienst und nicht für jedes Edelfräulein konnte ein passender Heiratskandidat gefunden werden. In solchen Fällen wurde dann oft eine geistliche Laufbahn eingeschlagen.

Doch auch vor einer Klosterpforte konnte man nicht mit leeren Händen erscheinen. Es war war keine Bedingung für die Aufnahme in das Kloster, aber doch ein häufig geübter Brauch, dass die Novizin eine Mitgift, meist in Form von Gütern, in den Konvent einbrachte und dadurch die Grundherrschaft und die laufenden Einnahmen des Klosters vermehrte. Die Chorschwestern - deren Namen leider nur spärlich überliefert sind - stammten wohl oft aus den Adelsfamilien, die im Kloster auch ihr Begräbnis hatten. Ein Blick auf die Liste der aus der Mitte der Chorschwestern gewählten Äbtissinnen zeigt jedoch, das auch Damen aus entfernter beheimateten Adelsfamilien darunter waren.

Die Äbtissinnen des Klosters

Corona Coeli um 1350, nach einem Acrylgemälde von Prof. Gerhard Böhm, Himmelkron

Agnes von Orlamünde † 1354

Kunigunde oder Katharina Notthafft von Weißenstein † 1370

Anna Burggräfin von Nürnberg 1370 - 1383

Ruth von Moßbach-Lindenfels

Agnes von Wallenrode † 1409

Katharina Förtsch 1409 - 1410

Katharina Rieter 1410

Katharina von Schaumberg 1410 - 1411

Longa von Kotzau 1411 - 1428

Adelheid von Blassenberg 1428 - 1460

Elisabetha von Künsberg 1460 - 1484

Margaretha von Zedwitz 1484 - 1499

Magdalena von Wirsberg 1499 - 1522

Ottilia Schenck von Siemau 1522 - 1529

Apollonia von Waldenfels 1529 - 1543

Harald Stark